Kommentierte Winnender Bibliographie

Diese chronologische Bibliographie soll alle Publikationen zur erweiterten Stadtgeschichte Winnendens zusammenführen. Kurze Kommentare erschließen die Beiträge inhaltlich.

1995

Schurig, Roland (Red.): „Hier, in der kleinsten Zelle unseres Staates“: Winnenden 1933-1945. Remshalden: Verlag Manfred Hennecke, 1995 [Winnenden – Gestern und Heute, Bd. 6]

Der von Stadtarchivar Roland Schurig redigierte Band versammelt Beiträge zum Aufstieg der Nationalsozialisten in Winnenden und zur Ortsgeschichte im Dritten Reich. Von besonderer Bedeutung ist der reich illustrierte Anhang mit den Beiträgen Winnender Kriegsalltag im Spiegel der Schutzpolizeiberichte (S. 207-2017) und Augenzeugenberichte über das Kriegsende in Winnenden (S. 218-253).

1995

Schurig, Roland: Winnendens Weg in den Nationalsozialismus. In: Winnenden 1933-1945, 1995, S. 7-122. Schurig beginnt seine Darstellung mit dem Konflikt zwischen Bürgermeister Schmidgall und der Winnender SA um eine Fahnenhissung. Er skizziert dann die letzten Jahre der Weimarer Republik mit Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftswachstum. Ausgegend von der Weltwirtschaftskrise behandelt er die Notstandsmaßnahmen von 1931 und zeigt die Radikalisierung der Wähler. Auch die Bedeutung der Lokalpresse untersucht Schurig. Im Anschluss erklärt Schurig die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Winnenden, die das Ende der kommunalen Selbstverwaltung bedeutete und zur Verfolgung politischer Gegner führte. Weitere Schwerpunkte der Darstellung sind das Wirken des NS-Bürgermeisters Josef Hubers und der „Kirchenkampf“ auf lokaler Ebene. Dokumente schließen sich an (S. 48-122).

1995

Henninger, Margarethe: Die Paulinenpflege unter Haken- und Kronenkreuz. Pfarrer Parteigenosse Ewald Müller, Anstaltsleiter von 1931 bis 1946. In: Winnenden 1933-1945, 1995, S. 123-142.

Im Zentrum von Margarethe Henningers Darstellung steht zunächst der Werdegang des Pfarrers und NS-Mitglieds Ewald Müller. Im Anschluss thematisiert Henninger die Folgen des Euthanasieprogramms und die schwierigen Kriegsjahre. Henninger, die Archivarin der Paulinenpflege, stützt sich auf Archivalien aus internen Beständen.

1995

Reichle-Nolle, Sabine: Euthanasie – Die Tötung „lebensunwerten Lebens“. In: Winnenden 1933-1945, 1995, S. 143-150.

Die Winterbacher Historikerin Sabine Reichle-Nolle skizziert in einem kurzen Beitrag die politischen Entwicklungen, die zu den Euthanasiemorden in Grafeneck und Hadamar führen. Knapp wird die Anwendung der entsprechenden Richtlinien der NS-Eugeniker in Winnenden dargestellt. Reichle-Nolle stützt sich überwiegend auf Ernst Klees Standardwerk Euthanasie im NS-Staat von 1983.

1995

Hümmelchen, Georg: Winnenden im Zweiten Weltkrieg. In: Winnenden 1933-1945, 1995, S. 151-174.

Gerhard Hümmelchen geht nach einigen einleitenden Worten zur Gesamtsituation auf den in Winnenden stationierten Kraftfahrpark 551 ein. Er beleuchtet im Anschluss die Rolle der Luftschutz-Warnzentrale in der Albert-Zeller-Schule und des Olympia-Filmtheaters. Die Hitlerjugend wird ebenso thematisiert wie das Schicksal der Winnender Zwangsarbeiter. Es folgen Darstellungen der letzten Kriegsjahre, die Krankentransporte aus Dresden und des Volksturms.

2000

Pflüger, Michael (Red.): „Feurio“: Feuerwehr Winnenden „Gestern und Heute“. Winnenden: Freiwillige Feuerwehr Winnenden, 2000

Der Band enthält den von der damaligen Stadtarchivarin Sabine Reustle verfassten Beitrag Brandbekämpfung um 1850 (S. 13 ff.), den Beitrag Historie der Feuerwehr Winnenden (S. 23 ff.) des Ehrenkommandanten Helmut Pflüger und einen Beitrag von Michael Pflüger über Die Feuerwehr Winnenden im Jubiläumsjahr (S. 6f ff.). Die Kameradschaft in der Feuerwehr Winnenden (S. 97) thematisiert Daniel Wagner. Von Peter Eichinger stammt der Beitrag über den Feuerwehrsport, über Partnerschaften der Freiwilligen Feuerwehr schreiben Daniel Wagner und Helmut Pflüger. Oliver Kubitza und Thomas Schwarz sind die Autoren von Das Feuerwehrmuseum Winnenden. Der Band schließt mit Harald Pflügers Heute und Morgen (S. 123 ff.).

2003

Schilling, Heidi: Feuer und Flamme. Zwei Winnender Hexenprozesse. In: Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 23-50)

Schillings Beitrag behandelt die beiden aus Winnenden bekannten Fälle von Hexenverfolgungen: Den Fall der 1532 hingerichteten Hebamme Gertrud aus Hertmannsweiler und und den Fall der 1628 auf dem Hochgericht verbrannten Bürgermeisterfrau Maria Schneider.

2003

Hofmann, Werner: Der Buchenbachhof: Ein altes Schloss in sicher verbergendem Winkel: Konflikte zwischen adligem Hofherrn und Bauern der Umgebung. In: Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 51-66)

Hofmann geht von den ersten urkundlichen Erwähnungen des bei Birkmannsweiler liegenden Buchenbachhof aus und rekonstruiert die Geschichte des Hofguts Buchenbachhof und seiner Gemarkung. Er thematisiert die Bedeutung des Anwesens als privilegierter Herrensitz, wobei er vor allem auf Hans Jakob Breuning eingeht.

2003

Beck, Reinhold: Wasserzeichen in Hertmannsweiler Akten des 18. Jahrhunderts. Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 67-100)

Reinhold Beck führt in seinem reich bebilderten Beitrag die Wasserzeichen in Hertmannsweiler die in den Pflegschaftsakten ab 1696 auf verschiedene Papiermühlen zurück, darunter in Giengen, Urach und Unterkochen.

2003

Ehlers, Joachim: Der Neubau von Sankt Bartholomäus in Hertmannsweiler im Jahre 1733. In: Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 101-124)

Joachim Ehlers schildert, ausgehend von den dörflichen Verhältnissen Hertmannsweilers um 1730 zunächst den Bauzustand der Dorfkirche. Er geht dann auf die Planungen von Johann Michael Groß (1731) und des Geometers Schüle (1865) ein. Dargestellt wird neben der Einweihung der neuen Kirche besonders die Gesamtsituation der Finanzierung und der daraus resultierenden Konflikte.

2003

Fuchs, Martin: Ein Streifzug durch die Winnender Geld- und Bankengeschichte in den Jahren 1874-1924. In: Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 125-168)

Fuchs behandelt zunächst im Überblick die Entwicklung von 1874 bis 1914. Er schildert die Einführung des neuen Geldes gemäß der Königlichen Verordnung von 1875. Im Anschluss thematisiert Fuchs die Unsicherheiten bei Beginn des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 und schildert das Umfeld für Bankengeschäfte in Winnenden. Im Folgenden geht Fuchs auf die verschiedenen Gründungen in Winnenden ein (Gewerbebank, Spar- und Konsumverein Backnang, Oberamtssparkasse, Württembergische Sparkasse, Privatbank Julius Finck. Eine umfangreiche Darstellung widmet Fuchs der Entwicklung der Kriegsjahre.

2003

Winkelbach, Renate: Verantwortung darf sich nicht auflösen. Zwangsarbeiter in Winnenden 1939-1945. In: Winnenden Gestern und Heute, 2003 (S. 169-248)

Nach allgemeinen Bemerkungen zur Geschichte der Zwangsarbeit im Dritten Reich und ihrer Verdrängung nach 1945 kommt Winkelbach auf die Situation im Rems-Murr-Kreis zu sprechen. Im Zentrum von Winkelbachs Darstellung steht jedoch die Lage in Winnenden, die sie anhand von Zeitzeugenaussagen und anhand des spärlichen Aktenmaterials rekonstruiert. Sie geht auf die Westarbeiter und Kriegsgefangenen in Winnenden ein, wobei sie auch die französischen Kriegsgefangenen im Lager Ruitzenmühle erwähnt, einschließlich des dort abgefangenen Liebesbriefs einer deutschen Arbeiterin an einen französischen Zwangsarbeiter. Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Lage der polnischen Landarbeiter in Bürg, Birkmannsweiler und Hertmannsweiler dar. Auch russische und ukrainische Zwangsarbeiter werden berücksichtigt, insbesondere ihre Zugehörigkeit zu Winnender. Besonders das Dachziegelwerk von Spingler (mind. 376 Zwangsarbeiter) und Kärcher (mind. 206 Zwangsarbeiter) stechen hervor.

2003

Stadtarchiv Winnenden: Winnenden Gestern und Heute. Bd. 9: Vom Umgang mit Gerechtigkeit, Recht und Unrecht, red. Sabine Reustle. Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur.

Neben den einzeln ausgewiesenen Beiträgen enthält der Band eine von Maria Käß erstellte Zeittafel und die von Ursula Breuninger kompilierten Chroniken der Jahre 2001 und 2002.

2009

Reustle, Sabine: Winnenden und Winnental bis 1834. In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 13-20)

Stadtarchivarin Reustle zeichnet recht knapp die Entwicklung des Schlosses Winnental im städtischen Umfeld nach. Sie beginnt mit dem Vorgängerbau der Schlosskirche (errichtet um 850) und schließt mit der Rettung des Mopsdenkmals in den 1970ern.

2009

Müller, Martin Eitel: Die Geschichte der Heilanstalt Winnental. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 21-34)

Oberarzt Martin Eitel Müller setzt an mit der Planung einer Irren-Anstalt durch das Medizinalkollegium Stuttgart in den Jahren 1830 bis 1834. Ausführlich kommt er auf Albert Zeller, dessen Bildungsreisen und die Jahre als Direktor in Winnental zu sprechen. Auch Griesingers Assistenz und die Aufenthalte Robert Mayers und Nikolaus Lenaus werden erwähnt. Ein Schwerpunkt von Müllers detaillierter Darstellung ist der Alltag in der Heilanstalt. Der Aufsatz schließt mit einer Skizze der weiteren Entwicklung Winnendens im Kontext der Psychiatriegeschichte.

2009

Zeller, Gerhard: Albert Zeller oder wie man Psychiater wird. In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 35-50)

Der Beitrag des Berliner Arztes Gerhart Zeller ist die Textfassung eines Vortrags, gehalten am 6.11.2004 anlässlich eines Symposions zum 200. Geburtstag Albert Zellers. Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Entwicklung Albert Zellers zum Psychiater, auch vor dem Hintergrund von dessen eigener Erkrankung. Besonders ausführlich geht Zeller auf die Reisetätigkeit Albert Zellers ein. Zeller war bis zu seinem Tod im Jahr 2006 Herausgeber der zweibändigen Ausgabe von Zellers Reisetagebuch der Jahre 1832 und 1833.

2009

Grieb, Harald: Nikolaus Lenau in Winnental 1844-1847. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 51-78)

Harald Grieb stellt Nikolaus Lenaus Erkrankung vor dem Hintergrund von Lenaus Beziehung zu Sophie von Löwenthal in Wien dar. Er schildert den Aufenthalt des mit Marie Behrend verlobten Dichters in Stuttgart, wo er bei Familie Reinbeck einen Zusammenbruch erleidet und von Gustav Pfizer nach Winnental gebracht wird. Grieb schildert den Aufenthalt bei Zeller und den Alltag Lenaus in der Psychiatrie und erwähnt auch den Besuch Justinus Kerners. Er stützt sich dabei auf Exponate des inzwischen aufgelösten Hausmuseums des ZfP Winnenden und Brandstetters Ausgabe von Lenaus Notizbuch aus Winnental.

2009

Hoffmann, Peter und Martin Eitel Müller: Robert Mayer, der Arzt aus Heilbronn (1814-1878). In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 79-100)

Der von Oberarzt Müller und dem Physiker Peter Hoffmann verfasste Beitrag stellt zunächst Robert Mayers Person und wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung heraus. Er geht dabei auch auf Mayers Asienreise und Mayers lange nicht anerkannte Entdeckung des Wärmeäquivalents ein. Die Autoren stützen sich besonders auf Schmolz und Weckbach (Robert Mayer. Sein Leben in Werk und Dokumenten, 1964), aber auch Gapps kurze Schrift von 1933 wird zitiert.

2009

Hirschmüller, Albrecht: Binswanger in der Schule bei Zeller. Ein Büchlein mit psychiatrischen Erfahrungen in Winnental aus dem Jahr 1850. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 101-128)

Hirschmüllers Aufsatz gibt einen Überblick der von Ludwig Binswanger in Winnental zusammengestellten Gesprächsnotizen und Beobachtungen. Binswanger, ein Schüler Griesingers in Tübingen, hielt sich vom 3.4. bis zum 1.5. des Jahres 1850 in Winnental auf. Das Notizbüchlein mit dem Titel Memoranda medizinischen und ökonomischen Inhaltes gesammelt in der Heilanstalt Winnenthal wird heute im Binswanger-Archiv der Tübinger Universität verwahrt.

2009

Müller, Martin Eitel: Ideologie und Wahnsinn – Ein Massenmörder in Winnental. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 129-132)

Martin Müller führt kurz in die Krankengeschichte des in Eglosheim geborenen Amokläufers Ernst Wagner ein und skizziert die Umstände der Tat. Ferner stellt er dessen Tübinger Gutachter, Robert Gaupp (1870-1953) vor und verschweigt auch nicht dessen Eintreten für die Sterilisation als Mittel der Eugenik.

2009

Gaupp, Robert: Krankheit und Tod des paranoischen Massenmörders Hauptlehrer Wagner. Eine Epikrise. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 132-164)

Gaupps Aufsatz über seinen bedeutendsten Patienten, Ernst Wagner, erschien zuerst in Julius Springers Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie (Bd. 163, Heft 1, 1938). Die intensive Beziehung zu Wagner spiegelt sich in der detaillierten Darstellung von Wagners Krankengeschichte, die sich auf zahlreiche Selbstzeugnisse Wagners stützt. Auch Wagners schriftstellerische Produktion und der Plagiatsstreit mit Werfel werden erwähnt.

2009

Müller, Martin Eitel: Euthanasie und Sterilisation in Winnental 1933-1945. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 165-196)

Der Beitrag Martin Müllers über Euthanasie und Sterilisation im Dritten Reich beginnt mit der Darstellung der ideologischen Grundlagen für die Euthanasie. Müller stützt sich dabei insbesondere auf die Arbeit von Thomas Stöckle (1999) und zitiert Augenzeugenberichte aus den Akten des Grafeneck-Prozesses. Er untersucht die Vorbedingungen des NS-Euthanasieprogramms, die schließlich zur Erbbestandsaufnahme und zur Durchführung der „Aktion T4“ in Winnenden führen. Außerdem stellt Müller die Situation während des Zweiten Weltkrieges und die Durchführung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ ab 1934 dar. Auch die Verfolgung psychisch kranker Straftäter thematisiert Müller. Eine abschließende Reflexion beleuchtet die Konsequenzen, die sich aus der Aufarbeitung der Euthanasiemorde für die Gegenwart ergeben.

2009

Mohn, Ilona und Martin Eitel Müller: Chronik des Schlosses Winnental, heutiges Zentrum für Psychiatrie Winnenden. In: In: 175 Jahre Heilanstalt, 2003 (S. 197-220)

Die gemeinsam von Ilona Mohn und Martin Müller erstellte Chronik der Psychiatrie in Winnenden beginnt mit der Erbauung des Schlossgebäudes durch den Deutschen Orden. Endpunkt der reich illustrierten Darstellung ist die Eröffnung der Institutsambulanz in Allem (2006). Es folgen Chronologien der Direktoren, Verwalter, Geschäftsführer und Pflegekräfte der Anstalt.