Deutsch-indische Kulturbeziehungen

Chronologie

1150c

Pfaffe Lamprecht bearbeitet in seinem Alexanderlied die damals verfügbaren Quellen zum Alexanderstoff und zeichnet darin ein von phantastischen Elementen durchwirktes Indienbild. Schon vorher ist Indien als Missionsort des Thomas und östlichstes Ziel des Alexanderzugs bekannt.

1165

Der Brief des Priesterkönigs Johannes (Joannis presbiteri Epistola) befeuert im Westen die Vorstellung eines in Indien angesiedelten christlichen Großreichs, etwa im Parzifal Wolfram von Eschenbachs oder in einem Lied Hugo von Monforts: „.das land, das ist genennet / „in der Yndia“: / die súnd davon getrennet; / priester Iohan so haißt der herre da“.

1180c

Im Herzog Ernst, einem wohl von einem rheinischen Dichter verfassten Versroman, befreit der Titelheld eine indische Prinzessin aus der Hand der in Grippia ansässigen Kranichmenschen.

1200c

Otto II. von Freising schreibt den Laubacher Barlaam, dem Rudolf von Ems mit seinem Barlaam und Josaphat folgt. Die Vorlage ist eine byzantinische Fassung, die auf eine buddhistische Legende zurückgeht.

1230c

In dem durch Hans Ried im Ambraser Heldenbuch Maximilians I. überlieferten Heldenepos Kudrun heiratet der von einem Greifen entführte Hagen die indische Prinzessin Hilde.

1240c

Rudolf von Ems erwähnt in seinem Fragment gebliebenen Alexander auch dessen Indienzug, ebenso wie Ulrich von Etzenbach in dessen Alexanderdichtung, der Wernigeroder Alexander und der Basler Alexander.

1260c

Albrecht von Scharfenberg erwähnt Indien im Jüngeren Titurel mehrfach, etwa als Heimat der Elefanten, als Nachbarland des Paradieses und Herkunft eines besonders harten Stahls, der 1210-1220 auch schon im Wigalois erwähnt wird.

1270c

In Tandareis und Flordibel, einem Artusroman des Pleiers, ist Flordibel die Tochter des Königs von Indien.

1280c

Im Trojanerkrieg Konrad von Würzburgs treten beim Kampf um Troja wie in anderen Trojaromanen des Hoch- und Spätmittealters auch indische Krieger auf.

1300c

Im Reinfried von Braunschweig begleitet der Titelheld den Perserkönig nach Osten und empfängt Botschaften des Königs von Indien.

1314

Johann von Würzburg entwickelt in seinem Wilhelm von Österreich ein von Fabeltieren besiedeltes und von dem sagenhaften König Welf regiertes Indien.

1352

Seifrit beendet seinen Alexanderroman, in dem er die Indienfahrt Alexanders und die Begegnung mit Porus besonders ausführlich thematisiert.

1472

In seinem Ehebüchlein thematisiert Albrecht von Eyb die Witwenverbrennung.

1493

In der Weltchronik Hartmann Schedels ist Indien von exotischen Fabelwesen besiedelt.

1505

Ein Konsortium von Handelshäusern aus Nürnberg und Augsburg beteiligt sich an der von Francisco de Almeida geleiteten Indien-Expedition der portugiesischen Krone.

1509

Balthasar Springer, Agent der Welser, veröffentlicht als Teilnehmer der portugiesischen Indienexpedition von 1505 seinen Reisebericht Die Merfart und erfarung nüwer Schiffung und Wege zu vil onerkanten Inseln und Künigreichen. Illustriert wird das Werk mit Holzschnitten von Hans Burgkmaier d. Ä., bei dem die Inder in europäischer Gewandung erscheinen.

1544

Sebastian Münster besiedelt in seiner Cosmographia Indien mit Wundermenschen.

1603

Postum wird Schweikhard von Helfensteins Barlaam-Fassung gedruckt: Historia von dem Leben der zweyen H. Beichtiger Barlaam Eremiten und Iosaphat deß Königs in Indien Sohn, voll der Glauben und Sitten-Lehr.

1645

Postum erscheint Mandelslos Schreiben von seiner ostindischen Reise an Adam Olearius. Der Verfasser, Johann Albrecht von Mandelslo, war als holsteinischer Gesandter über Persien nach Indien gelangt.

1652

Im Auftrag des Jesuitengeneral Francesco Piccolomini erreicht Heinrich Roth Goa, wo er seine Missionstätigkeit aufnimmt. Er wirkt außerdem in Srinagar und am Hof des Großmoguls in Agra, wo er auch die Leitung des dortigen Jesuitenkollegs übernimmt. Im Vorort Lashkarpur wurde er nach einer erneuten Indienreise beigesetzt.

1668

Der Nürnberger Gelehrte Erasmus Francisci veröffentlicht den Ost- und Westindischen, wie auch Sinesischen Lust- und Stats-Garten, der geographische Fakten mit phantastischen Elementen vermischt.

1689

Heinrich Anselm von Zigler und Kliphausens Roman Die asiatische Banise, oder das blutig-doch mutige Pegu spielt in einem fiktiven hinterindischen Königreich.

1696

Christian Reuters unter dem Pseudonym Hilarius veröffentlichter Schelmenroman Schelmuffskys kuriose und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und Lande ist dem „Grossen Mogol / den Aeltern / weltberühmten Könige / oder vielmehr / Keyser in Indien / zu Agra etc.“ gewidmet.

1700

Johann Ernst von Hanxleden erreicht im Auftrag des Jesuitenordens Surat und reist bald weiter nach Kerala. Dort entwickelt er sich zu einem Kenner der einheimischen Sprachen und verfasst neben linguistischen Studien das Hymnenbuch Puthanpana.

1706

9.7.: An Bord der Hedwig Sophia erreicht Bartholomäus Ziegenbalg die Südostküste Indiens und beginnt die Missionstätigkeit in Tamil Nadu.

1722

Karl VI. gründet für den Handel mit Indien die Ostende-Gesellschaft (aufgelöst: 1731).

1750

Friedrich II. von Preußen gründet die Asiatische Kompagnie (aufgelöst: 1757).

1753

Friedrich II. gründet seine Bengalische Kompagnie (aufgelöst: 1769).

1756

Immanuel Kant beginnt sich in seinen Universitätsvorlesungen mit Indien zu befassen.

1769

Der Nürnberger Baron Christoph Adam Karl von Imhoff lässt sich mit seiner Familie als Maler und Zeichner in Indien nieder, wo er auch auf den ersten britischen Generalgouverneur Warren Hastings trifft.

1784

Johann Gottfried Herder spricht sich in den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit lobend über Indien und den Hinduismus aus.

1791

Nach der englischen Fassung des Indologen Willian Jones übersetzt Georg Forster das Sanskrit-Drama Sakuntala des Kalidasa ins Deutsche.

1802

Johann Gottfried Herder verfasst sein Gedicht Indien, in dem er Indien in elegischen Distichen preist: „Sei mir gegrüßt, o heiliges Land, und Du Führer der Töne, / Stimme des Herzens, erheb oft mich im Aether dahin!“

1803

Friedrich Schlegel schreibt an Ludwig Tieck, alles Geistige, „ohne Ausnahme“, stamme aus Indien. Von Alexander Hamilton lernt er in Paris Sanskrit. --- Matthias Claudius lässt bei Perthes seinen Band Asmus omnia sua secum portans erscheinen. In Eine asiatische Vorlesung setzt er sich intensiv (mit Bezug auf Warren Hastings) mit indischer Mythologie auseinander.

1804

Bei J. C. Herrmann erscheinen unter dem Pseudonym Tian die Gedichte und Phantasien Karolines von Günderode. Das Gedicht Der Adept zeichnet eine Indienreise nach, deren Protagonist auch in Indien nicht zum Heil gelangt: „Die Priester dieses Landes rühmen / Sich viel geheimer Wissenschaft, / Sie wissen Seyn und Schein zu trennen, / Und kennen aller Dinge Kraft.“

1806

Am Grab Karoline von Günderodes, die sich wegen ihrer unglücklichen Liebe zu Friedrich Creutzer tötete, werden Verse des indischen Dichters Bhartrihari angebracht. Der Gedichtband Melete, der bei J. C. B. Mohr in Tübingen erscheinen soll, wird daraufhin zurückgehalten und erst 1906 vollständig veröffentlicht. Er enthält das ominöse Sonett Die malabarischen Witwen: „Zum Flammentode gehn an Indusstranden / Mit dem Gemahl, in Jugendherrlichkeit, / Die Frauen, ohne Zagen, ohne Leid, / Geschmücket festlich, wie in Brautgewanden.“

1808

Friedrich Schlegel legt in Über die Sprache und Weisheit der Indier die ersten Direktübertragungen metrischer Sanskrit-Texte ins Deutsche vor. Goethe verurteilt den Band vor dem Hintergrund der persönlichen Begegnung mit Schlegel.

1810

Joseph Görres sieht in seiner Mythengeschichte der asiatischen Welt Indien als Ursprungsland des mythischen Denkens. Die Idee dazu stammt aus seinen Heidelberger Vorlesungen (1806-1808).

1814

In Paris erlernt August Wilhelm Schlegel Sanskrit.

1816

Franz Bopp erbringt in Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache den Nachweis der Sprachverwandtschaft des Sanskrit mit den antiken, iranischen und germanischen Sprachen – und begründet die Indogermanistik.

1817

Im Briefwechsel mit Carl Ludwig Knebel und Ottilie von Pogwisch erwähnt Goethe indische Literatur aus dem Bestand des Herzogs.

1818

August Wilhelm Schlegel wird auf Deutschlands ersten indologischen Lehrstuhl nach Bonn berufen. Er gründet die Zeitschrift Indische Bibliothek, in der auch seine Übertragungen aus den indischen Klassikern erscheinen und richtet die erste Druckerpresse mit Devanagari-Buchstaben ein. --- Johann Wolfgang Goethe befasst sich in Indische Dichtungen (Erstdruck bei Cotta, 1833) mit Sakuntala, Gita govinda und Meghaduta.

1823

Heinrich Heine entführt Friederike Robert in einem Sonett „nach Indien, nach dem Sonnenlande“.

1825

Franz Bopp wird Professor für Sanskrit in Berlin.

1826

Wilhelm von Humboldt verfasst seine Abhandlung über die Bhagavad-Gitá.

1827

Friedrich Rückert übersetzt die Liebesdichtung Nal und Damajanta aus dem Mahabharata.

1833

Durch die Fürsprache Wilhelm von Humboldts wird der Sanskritforscher Adolf Friedrich Stenzler außerordentlicher Professor für orientalische Sprachen in Breslau.

1834

Ludolf Wienbarg legt in seiner kunsttheoretischen Schrift Ästhetische Feldzüge dar, dass die kulturelle Perspektive die Ästhetik bestimme: „Die absurdesten Extravaganzen der indischen Phantasie, ein Fluß, die Ganga, die vom Himmel herabfällt, und sich in dem wulstigen Haupthaar eines Gottes verstrickt, ein Gott mit Elephantenrüssel u. dergl. sind für die Anschauungsweise des indischen Ästhetikers ebenso mustergültige Bilder und Vorstellungen, wie nur irgend ein Bild und eine Vorstellung aus dem griechischen und christkatholischen Anschauungskreise“.

1836

Friedrich Rückert beginnt mit der Veröffentlichung des sechsbändigen Werks Die Weisheit des Brahmanen.

1839

Die Brahmanischen Erzählungen Friedrich Rückerts werden veröffentlicht.

1840

Otto von Böhtlingk ediert den Sanskrittext der Grammatik des Panini. Der Band erscheint in Bonn.

1848

Leipzig erhält einen Lehrstuhl für Indologie.

1849

Albrecht Weber gründet die Zeitschrift Indische Studien.

1852

Theodor Benfeys Handbuch der Sanskritsprache erscheint.

1853

8.8.: In dem Artikel Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien übt Karl Marx grundsätzliche Kritik am Kolonialismus. --- Albrecht Weber veröffentlicht sein Hauptwerk Akademische Vorlesungen über Indische Literaturgeschichte mit einem Schwerpunkt auf der vedischen Literatur.

1856

An der Universität Tübingen wird ein indologischer Lehrstuhl eingerichtet.

1857

Adolf Friedrich Graf von Schack stellt mit seiner Sammlung Stimmen vom Ganges Nachdichtungen indischer Legenden zusammen.

1862

Die Universität Göttingen richtet einen Lehrstuhl für Indologie ein.

1868

In München wird ein indologischer Lehrstuhl eingerichtet.

1869

In Marburg entsteht ein Lehrstuhl für Indologie.

1870

Zwischen London, Berlin und Kalkutta richtet die Indo-European Telephone Company die erste Telegraphenverbindung über Land ein.

1873

Hermann Jacobi und Georg Bühler bereisen auf der Suche nach Manuskripten Rajastan.

1881

Friedrich Nietze entlehnt den Titel seiner Morgenröte dem altindischen Rigveda. --- Franz Kielhorn wird Professor für orientalische Sprachen am Deccan College in Pune.

1883

Johann Georg Bühler veröffentlicht sein einflussreiches Lehrbuch Leitfaden für den Elementarkursus Sanskrit.

1889

Bei Paetel in Berlin erscheinen die Indischen Reiseskizzen des Indologen Richard von Garbe, der sich insbesondere um die Bhagavad Gita verdient gemacht hat.

1892

Der Kieler Philosophieprofessor Paul Deussen besucht mit seiner Frau Indien.

1894

In seiner Indienerzählung Der Hund befasst sich Heinrich Mann mit Seelenwanderung. --- Paul Deussen widmet drei Bände seiner Allgemeinen Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Religionen Indien: Allgemeine Einleitung und Philosophie des Veda bis auf die Upanishad’s (1894, Bd. 1, 1), Die Philosophie der Upanishad’s (1898, Bd. 1, 2) und Die nachvedische Philosophie der Inder (1908, Bd. 1, 3).

1898

In London erscheinen unter dem Titel Auld Lang Syne die Memoiren des deutschen Indologen Max Müller. Im Jahr darauf erscheint mit The Six Systems of Indian Philosophy die erste Gesamtdarstellung indischen Denkens in Buchform.

1900

Arthur Schnitzler schreibt seine Legende, die in der mythischen Vorzeit Indiens spielt.

1902

Bei Insel in Leipzig erscheint Rudolf Kassners indische Novelle Die Mutter im Rahmen des Sammelbandes Der Tod und die Maske.

1903

In Leipzig entsteht ein Buddhistischer Missionsverein.

1904

Gustav Meyrinks indische Erzählung Der Opal erscheint. --- Waldemar Bonsels arbeitet in einer Weberei der Basler Mission in Indien als Kaufmann. --- Paul Deussen veröffentlicht seinen Reisebericht Erinnerungen an Indien.

1905

Hermann Hesse veröffentlicht Anton Schievelbeyn’s ohn-freywillige Reisse nacher Ost-Indien.

1906

Max Dauthendey besucht im Rahmen einer Reise mit der Thomas-Cook-Reisegesellschaft Indien und berichtet in Briefen an seine Frau von den Reiseerlebnissen.

1907

Hermann Hesses Legende vom indischen König erscheint in Die neue Rundschau (Berlin).

1908

Stefan Zweig besucht Indien. --- In Der neuen Gedicht anderer Teil greift Rainer Maria Rilke mit seinem Gedicht Schlangen-Beschwörung ein indisches Thema auf.

1909

Max Dauthendey veröffentlicht Lingam. Zwölf asiatische Novellen.

1911

Mit seinem Freund, dem Maler Hans Sturzenegger, besucht Hermann Hesse Indien. --- Hermann Graf von Keyserling bereist Indien von Ceylon bis zum Himalaya und trifft dabei auch Rabindranath Tagore.

1913

In Hermann Hesses Erzählung Robert Aghion trifft der Titelheld, der englische Missionar Robert Aghion, als Kolonialbeamter in Indian auf ein überaus zivilisiertes Volk mit ehrwürdiger Kultur. Im selben Jahr erscheint Hesses Prosaband Aus Indien. Aufzeichnungen von einer indischen Reise.--- Rudolf Steiner wird aus der hinduistisch orientierten Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen und begründet die Anthroposophie. --- In Fritz Mauthners Roman Der letzte Tod des Gautama Buddha weigert sich Buddha aufgrund heftiger Sprachzweifel, ein Gott zu werden und geht ins Nirwana ein. --- Rabindranath Tagore bereist das Deutsche Reich.

1914

Die Universität Hamburg richtet einen Lehrstuhl für Indologie ein.

1916

Lion Feuchtwangers Theaterstück Warren Hastings, Gouverneur von Indien wird aufgeführt. --- Waldemar Bonsels 1912 in Schleißheim verfasster Reiseroman Indienfahrt erscheint.

1919

Eduard Graf von Keyserlings Reisetagebuch eines Philosophen erscheint.

1921

Eduard Graf von Keyerling organisiert zu Ehren Randrinanath Tagores eine Tagore-Woche in Damstadt. In München trifft der indische Dichter auch Thomas Mann.

1922

Hermann Hesse nimmt die Arbeit am Siddhartha auf. --- Stefan Zweigs indische Legende Die Augen des ewigen Bruders erscheint. --- Bei Kurt Wolff in Mümchen erscheint die Erzählung Die Tigerin Nahar von Ernst Weiß. --- Klabund erzählt in der Erzählung Weibertreu aus Kunterbuntergang des Abendlandes die Geschichte von Viradhara und seiner untreuen Frau Kamadamini.

1925

Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger verfassen das Stück Kalkutta, 4. Mai. --- Der Buddha-Film Die Leuchte Asiens, Indiens erste nationale Koproduktion, wird gemeinsam mit der Münchner Emelka produziert.

1928

Franz Osten führt für die UFA bei der deutsch-indischen Koproduktion Grabmal einer großen Liebe und im darauffolgenden Jahr bei dem Stummfilm Schicksalswürfel Regie. --- In Richard Huelsenbecks Reisebericht Der Sprung nach Osten entwirft ein im Vergleich zu früheren Indienbildern realistisches Bild des Subkontonents.

1929

Alexander der Große begegnet in Klaus Manns Alexander-Roman einem exotisch-verführerischen Indien. --- Bernhard Kellermanns Reisebuch Der Weg der Götter erscheint.

1932

In den Jahren 1932 bis 1937 bereist Hannes Fritz-München Indien und wird zum Hofmaler mehrerer Maharadschas.

1934

Lion Feuchtwanger kritisiert in Marianne in Indien die britische Kolonialherren und ihre Perspektive auf Indien. --- Heinrich Zimmer veröffentlicht die einflussreiche Schrift Indische Mythen und Symbole.

1937

Adolf Hitler empfiehlt dem englischen Außenminister Lord Halifax die Liquidierung Gandhis und der Kongresspartei.

1938

Carl Gustav Jung bereist Indien und schreibt verschiedene Aufsätze über Meditation, Yoga und die Symbolik der Mandalas.

1940

Thomas Mann veröffentlicht die ironisch-humoristische Legende Die vertauschten Köpfe.

1949

In Mulk Raj Anands Across the Black Waters, der im Ersten Weltkrieg spielt, wird der Held von deutschen Truppen gefangengenommen.

1956

Anlässlich eines Staatsbesuchs wird Jawarhalal Nehru bei einem Festakt der von Hermann Goetz herausgegebene und in Frankfurt erschienene Sammelband Indien und Deutschland überreicht.

1957

Willy Haas greift in Navines Erzählung aus Die literarische Welt auf seine Erfahrungen als Flüchtling in Indien zurück.

1960

In Stuttgart erscheint Helmuth von Glasenapps Studie Das Indienbild deutscher Denker. --- Ernst Augustin übernimmt die Leitungen eines Krankenhauses im südindischen Madurai.

1961

Margret Boveri veröffentlicht bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen ihr Indisches Kaleidoskop.

1963

14.1.: Bei einer Indienreise stirbt Gustav Regler in Delhi.

1970

Inge von Wangenheim veröffentlicht im thüringischen Rudolstadt ihren Reiseband Kalkutta liegt nicht am Ganges. Entdeckungen auf großer Fahrt.

1971

Willi Meinck publiziert Die gefangene Sonne. Indische Impressionen. Auf ihn gehen der Märchenband Die schöne Madana (1973) und eine Nachdichtung des Ramayana zurück (1976). --- Christa Reinig veröffentlicht Papantscha-Vielerlei. Exotische Produkte Altindiens.

1975

Günther Grass hält sich auf Einladung der indischen Regierung einige Wochen in Delhi und Kalkutta auf.

1976

Klaus Mylius wird außerordentlicher Professor für Sanskrit und indische Altertumskunde an der Karl-Marx-Universität Leipzig.

1977

Günther Grass lässt den Ich-Erzähler aus seinem Roman Der Butt auf den Spuren Vasco da Gamas ein als äußerst schmutzig dargestelltes Delhi besuchen.

1978

Bei S. Fischer erscheint Hubert Fichtes Wolli Indienfahrer.

1980

In Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus von Günter Grass reist das norddeutsche Lehrerehepaar Harm und Dörte Peters mit dem Reiseveranstalter „Sisyphos“ für ein Filmprojekt unter anderem nach Indien.

1981

Salman Rushdie verarbeitet in Midnight’s Children Einflüsse von Günter Grass.

1983

Ingeborg Drewitz veröffentlicht im Stuttgarter Radius-Verlag Mein indisches Tagebuch. --- im Berliner Aufbau-Verlag erscheint Richard Christs Mein Indien.

1984

Reinhard Hauffs Film Zehn Tage in Calcutta wird gedreht.

1988

Bei Luchterhand in Darmstadt erscheint der von Günter Grass selbst illustrierte Band Zunge Zeigen.

1996

Bei Suhrkamp erscheint Josef Winklers ethnographischer Roman Domra. Am Ufer des Ganges.

2000

Elmar Schenkel veröffentlicht Ein Lächeln und zwei Fragezeichen. Indisches Reisetagebuch.

2002

Als Ergebnis einer Gruppenreise deutscher Schriftsteller 2001-2002 erscheint in den horen der Band Ausblicke von meinem indischen Balkon. Neue Reisen deutscher Schriftsteller nach Indien. Teilnehmer sind Arnold Stadler, Kathrin Schmidt, Martin Kämpchen, Marla Stukenberg, Ulrike Draener und Felicitas Hoppe. --- Gemeinsam mit dem Berliner Musiker Bert Wrede inszeniert Albert Ostermaier im Bayerischen Rundfunk die Leseperformance Calcuttaphonie.

2003

Bei Rowohlt erscheint Andreas Altmanns Reisebericht Notbremse nicht zu früh ziehen. Mit dem Zug durch Indien. --- Ilja Trojanows An den inneren Ufern Indiens erscheint.

2005

Günter Grass besucht Indien erneut. --- Martin Mosebach erzählt in Das Beben von einem deutschen Architekten, der auf der Flucht vor sich selbst ins Innere Indiens flieht, um dort ein Luxushotel zu bauen.

2006

Bei Piper erscheint Ilija Trojanows Reisebericht An den inneren Ufern Indiens. Eine Reise entlang des Ganges. ---. Ulla Lenzes Roman Schwester und Bruder behandelt die Indienreise der jungen Martha mit ihrem erblindeten Bruder Lukas.

2007

Hans Graf von der Goltz schildert in seinem Roman Die Mission das Schicksal einer Gruppe moderner Entwicklungshelfer in Mumbai. --- Wulf Noll zeichnet in seinem Indienroman Dann, gute Nacht, Madame! die bewegten Jahre um 1968.

2008

Helge Timmerberg veröffentlicht bei Rowohlt Shiva Moon. Eine Reise durch Indien. --- Martin Mosebachs Stadt der wilden Hunde. Nachrichten aus dem alltäglichen Indien erscheint bei Hanser. --- Christina Brudereck lässt in ihrem Roman Seidenkinder den Inder Jaya gemeinsam mit dem Amerikaner Matt gegen ein Staudammprojekt kämpfen

2009

In Gießen erscheint Christoffer Krugs Indien-Roadnovel Mehr und Mehr. --- Hans Christoph Buch veröffentlicht bei der Frankfurter Verlagsanstalt seine Reise um die Welt in acht Nächten, die in einem Hotel in Bombay beginnt.

2012

Im Hamburger Männerschwarm-Verlag erscheint Martin Franks Roman Aruns Geschichte.

2013

Sylvia Lotts Roman Die Rose von Darjeeling erscheint bei Blanvalet in München.

Desiderata

Indienbilder in der Kinder- und Jugendliteratur --- Bildende Künste --- Musik --- Tanz --- Architektur

Bibliographie

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  • Vogel, Juliane: Josef Winklers „Domra“. In: Der Dichter als Kosmopolit. Zum Kosmopolitismus in der neuesten österreichischen Literatur. Beiträge der tschechisch-österreichischen Konferenz České Budĕjovice, März 2002, hrsg. v. Broser, Patricia u. Dana Pfeiferová, Wien: Edition Praesens, 2003. S. 99-111
  • Wägenbaur, Thomas: Kopfgeburten oder Indienfahrer. Indienbilder zwischen Günter Grass und Hubert Fichte. In: Projektionen – Imaginationen – Erfahrungen. Indienbilder der europäischen Literatur, hrsg. v. Winfried Eckel; Carola Hilmes und Werner Nell, Remscheid: Gardez!, 2008, S. 192-200
  • Wilson, Leslie A.: A Mythical Image. The Ideal of India in German Romanticism. Durham(NC): 1964
  • Wilson, Leslie A.: Herder and India: The Genesis of a Mythical Image, PMLA,Vol. 70, No. 5 (Dez., 1955), S. 1049-1058
  • Winter, Helmut: Zur Indien-Rezeption bei E. M. Forster und Hermann Hesse. Heidelberg: Winter, 1976 (Anglistische Forschungen, 111)

 

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