Winnender Literatur im 18. und 19. Jahrhundert

Der Stadtbrand von 1693 zerstört Winnenden so nachhaltig, dass sich die Stadt erst zwanzig Jahre später wieder erholt hat. Die Zeiten bleiben unruhig, immer wieder ziehen Regimenter vorbei oder machen in Winnenden Station - so wie die Einheit, der Schillers Vater Caspar zugeteilt ist.  Das kulturelle Leben liegt jedoch weitgehend darnieder. Erst die Gründung des Königreichs Württemberg führt zu einem bescheidenen kulturellen Aufschwung: Winnenden wird 1813 Garnison, 1823 gründet Jakob Philipp Heim die Paulinenpflege, 1833 kommt Albert Zeller nach Winnenden. Der Dichter und Psychiater ist der erste Direktor von Winnendens strahlkräftigster Institution: der 1834 eröffneten Königlichen Heilanstalt.

Als Nikolaus Lenau 1844 bei Zeller vorgestellt wird, nimmt erstmals die kulturelle Elite Europas Kenntnis von Winnenden. Lenaus Erkankung führt zahlreiche Dichter nach Winnenden: den Seracher Kreis, in dem Justinus Kerner und andere namhafte Autoren der Schwäbischen Romantik vertreten sind, aber auch Weggenossen des gebürtigen Ungarn aus Österreich. Der Ruf Zellers führt auch den Göttinger Professor Saalfeld, den Soldaten und Dichter Hermann Lingg, den Germanisten Carl Simrock und die plattdeutsche Dichterin Alwine Wuthenow. Mit Stadtpfarrer Johann Ulrich Wirth verfügt Winnenden über einen Philosophen von Format. Wirth steht der Volkspartei nahe, die ab 1848 in Winnenden für Unruhe sorgt und 1849 die Gründung des Volks- und Anzeigenblatts herbeiführt. Erstmals hat Winnenden ein Forum zur öffentlichen Debatte.