Winnenden im Königreich Württemberg

1807

Aus der Schlosshofmeisterei, der Kellerei und der geistlichen Verwaltung entsteht das Königliche Hofkameralamt. --- 10.5.: Sophie Albertine stirbt in Winnental.

1808

Nach der Errichtung des Königreichs Württemberg werden das Oberamt Winnenden und das Stabsamt Winnenthal aufgelöst. --- König Friedrich I. erlässt eine Feuerlöschordnung, die Bürger von 18 bis 60 zur Feuerbekämpfung verpflichtet. Es umfasste auch eine Meldepflicht für Brände. Bei entfernten Bränden wurden Feuerreiter eingesetzt. Das waren oft Metzger, die Pferde besaßen und auch Postdienste verrichteten. Für 300 Gulden werden neue Feuerlöscheimer beschafft.

1810

Mit dem Landfüsilier Voderer und dem Gendarmen Winkle sind erstmals Mitglieder des von Friedrich I. neu bestellten Landdragonerkorps in Winnenden nachweisbar: Winnenden erhält eine Polizei.

1811

27.1.: Christian Palmer kommt in Winnenden zur Welt.

1813

Schloss Winnental wird Reitergarnison (bis 1816) und beherbergt das Kavallerie-Regiment Nr. 3 Jäger Herzog Louis. Auch russische Soldaten sind auf der Durchreise. --- Heinrich Mohr wird Diakon in Winnenden.

1815

Bürg wird eine eigenständige Gemeinde des Oberamts Waiblingen. --- Johannes Forstenhäusler ist als berittener Gendarm in Winnenden stationiert.

1816

Das Schloss wird der Hofdomänenkammer zugewiesen und mit Beamten der Hofkammer belegt. --- 19.1.: Der Schwaikheimer Bürger Jakob Leibfriz erlöst angeblich den Geist vom Teufelsbrunnen (heute Naturschutzgebiet, in der Nähe der Kläranlage am Zipfelbach). --- Johann Georg Bührer und ein weiterer Gendarm namens Harms sind in Winnenden stationiert. --- Carl Rudthardt übernimmt die Apotheke am Marktplatz.

1817

Die Gendarmen Rebmann und Johann Georg Retter versehen ihren Dienst in Winnenden. --- Das Oberamt fordert den Winnender Gemeinderat zur Anschaffung neuer Löscheimer auf.

1818

Matthias Mattes ist Gendarm in Winnenden. --- Christian Friedrich Wölfing übernimmt die väterliche Apotheke in der Wagnerstraße.

1819

Das Stadtoberhaupt erhält den Titel „Stadtschultheiß“.

1822

Jakob Friedrich Heim gründet einen Verein zur Pflege verwahrloster Kinder – die heutige Paulinenpflege.

1823

7.8.: Mit elf Kindern wird das „Rettungshaus“ der Paulinenpflege eröffnet. --- Als Sturmläuter für Winnenden werden Heinrich Nikum und Adam Friedel erwähnt: Sie müssen vom Turm der Stadtkirche aus die Sturmglocke schlagen, sollte eine Brandmeldung (etwa vom Hochwächter) eingehen.

1824

Auf dem Anwesen des Schönfärbers Hägele am Buchenbach wird ein artesischer Brunnen ergraben, der ein Mineralbad speist (bis ca. 1850).

1826

24.10.: Der spätere Oberregierungspräsident Friedrich von Krauß, der Sohn des Rosenwirts, kommt in Winnenden zur Welt. --- Georg Friedrich Hauff ist Landjäger in Winnenden.

1827

17.11.: Der spätere Missionar Johann Gottlieb Christaller kommt in Winnenden zur Welt. --- Peter Förstel ist Landjäger in Winnenden.

1828

14.9.: Josef Ignaz Bauer wird Landjäger in Winnenden (bis 16.10.1836).

1829

Tübingen scheitert bei der Bewerbung um die neue psychiatrische Einrichtung des Königreichs Württemberg. Obermedizinalrat Köstlin schlägt Winnental in einem Gutachten als Standort für die Irrenanstalt vor.

1830

Das Obere Tor (am Viehmarktplatz) wird abgebrochen. --- 6.8.: Die Buchenbach-Kelter fällt einem Blitzschlag zum Opfer.

1831

Gottlob Müller hält den ersten methodistischen Gottesdienst Winnendens. Der Gebetssaal liegt in der Mühltorstraße. --- 6.7.: Albert Zeller wird zum Anstaltsarzt ernannt.

1833

3.8.: Albert Zeller zieht in Winnental ein. Mit seiner Frau Marie (geb. Reimer) und den Kindern Ernst und Anna bewohnt er eine Wohnung im Schloss. Unterstützung erhält er von seinem Tübinger Studienkollegen, Dr. Christian Binder, dem Pfarrer Hoffmann und dem Wundarzt Burger (als Oberwärter).

1834

Die Heilanstalt im Schloss Winnenthal wird eröffnet. --- Winnenden hat 3111 Einwohner.

1835

3.8.: Dr. Ernst Albert Zeller wird Direktor der Heilanstalt (bis 23.12.1877). --- Hermann Kurz kommt nach Winnenden. --- Das Oberamt in Waiblingen verlangt von Winnenden die Anschaffung von zwölf Feuerbutten.

1836

16.10.: Chr. Friedrich Kißling wird wird Landjäger in Winnenden (bis 30.4.1845).

1837

Der Winnender Schützenverein wird gegründet. Erster Vorstand ist Friedrich Wölfing.

1839

21.7.: Der spätere Landschaftsmaler Hermann Julius Kornbeck kommt in Winnenden zur Welt (Geburtshaus: Marktstraße 81). --- 3.10.: Drei von Gottlob Müller an Theodor Fliedners „Mutterhaus“ nach Kaiserwerth bei Düsseldorf entsandte Damen werden als Diakonissen eingesegnet: Marie Schäfer aus Leutenbach, Elisabeth Schäfer aus Hanweiler und Katharina Beutel aus Bretzenacker. --- Friedrich Gustav Berg übernimmt die Apotheke am Marktplatz.

1840

20.2.: Wilhelm Griesinger wird Assistenzarzt bei Zeller (bis 27.12.1841). --- Stadtpfarrer Jakob Philipp Heim setzt sich für einen Ausbau des örtlichen Schulwesens ein.

1841

Als Rottenführer zur Brandbekämpfung werden der Seifensieder Immanuel Heinrich Enslin und der Rotgerbermeister Friedrich Bunz gewählt. Der Feuerwagen wird neben dem Leichenwagen im Stadtmagazin aufgestellt (Rathaus), die große Landspritze steht in der Schule (Albrecht-Bengel-Haus).

1842

Baach erhält sein Schul- und Rathaus. --- Stadtpfarrer Wirth regt die Gründung eines Kindergartens nach Waiblinger Vorbild an. --- In Winnenden ist erstmals eine Rettungsmannschaft bezeugt, die bei Bränden bewegliches Mobiliar aus den Häusern birgt. Ihr „Director“ ist der Stadtrat und Apotheker Friedrich Wölfing. --- 29.7.: Die beiden Häuser des Bäckers Matthäus Fischer brennen ab.

1843

Winnenden hat 3396 Einwohner. --- Der Apotheker Christian Friedrich Wölfing bezieht das Gebäude in der Marktstraße 39 (heute: Apotheke am Torturm).

1844

1.5.: Bei einem Brand in Backnang rückt die Winnender Löschmannschaft unvollständig an, weil Stadttambour Bestle die Trommel nicht weisungsgemäßg geschlagen hat. --- 22.10.: Nikolaus Lenau (d. i. Nikolaus Niembsch Edler zu Strehlenau) wird als Patient in Winnenthal aufgenommen (bis 12.5.1847, Diagnose: Tollheit). --- Robert Pickel übernimmt die Turmapotheke.

1845

An der Ecke Wallstraße / Schlossstraße wird ein Schulgebäude für die Latein- und Realschule gebaut (Alte Oberschule). Die Schlosstraße wird bis zum Schloss erweitert. --- Carl Gärttner übernimmt die Turmapotheke.

1846

Durch eine Abgrabung wird die Steigung am Gasthof „Krone“ beseitigt. --- 27.7.: Michael Staudenmaier wird Landjäger in Winnenden (bis 16.3.1860). --- Bei Rotgerber David Schlehner kommt es zum Brand. 

1847

24.3.: Im Schafhaus bricht ein Band aus. --- 7.9.: Beim Oberamt in der Schlossgasse brennt es. --- 14.9.: Bei Gerber Schlehner brennt es erneut. --- 30 junge Winnender gründen den Männerturnverein.

1848

Winnenden erhält nach freien und allgemeinen Wahlen einen Verwaltungsrat. --- Der erste Winnender Turnverein wird gegründet. --- 1.10.: Das Winnender Volks- und Anzeigenblatt wird gegründet und von Friedrich Fetzer gedruckt. --- 25.-26.6.: Einem Großbrand im Viertel hinter dem Rathaus fallen elf Häuser und vier Scheunen zum Opfer. --- Immanuel Heinrich Enslin wird zum Kommandanten der Bürgerwehr gewählt. Als Leutnants der Bürgerwehr werden Zimmermeister Wilhelm Cleß, sein Sohn Christian Cleß und Stadtrat Louis Seeger erwähnt. --- Das Amt des Stadttambours wird an den Spielmann Jacob Benz übertragen, der im Turm wohnt. --- 1.4.: Der neugegründete Männerturnverein nimmt an einer Sitzung unter dem Vorsitz des Stadtschultheißen Hiemer teil. Geübt wird auf dem Hofacker der Paulinenpflege. 27.8.: Mit einem Festzug wird die Fahnenweihe des Männerturnvereins gefeiert. --- 14.-15.11.: Im alten Helferhaus brennt es.

1849

Gelder aus einer Stuttgarter Privatstiftung übergibt der zweite Pfarrer Winnendens, Joseph Josenhans, dem Diakonatsverweser Carl Johann Friedrich Lechler, der mit anderen Honoratioren die Gründung einer Kleinkinderschule – eines Kindergartens – in Angriff nimmt. Prinzessin Marie Friederike Charlotte von Württemberg unterstützt die Gründung finanziell, die im ersten Stock des Hauses des Schneiders David Jäger in der Wallstraße 10 angesiedelt ist. --- In der Scheuer des Stadtpflegers Schwarz brennt es.

1850

Winnendens freiwillige Feuerwehr wird gegründet. --- 3.4.-1.5.: Der Psychiater Ludwig Binswanger besucht die Heilanstalt. --- Stadtpfarrer Ulrich Wirth gibt unter dem Titel Geschichte der Stadt Winnenden und der umliegenden Ortschaften nach M. D. Pistorius die Chronik des David Pistorius von 1605 neu heraus. --- Der württembergische Wohltätigkeitsverein unterstützt erstmals das Winndender „Kinderschüle“.

1851

Die Kirche St. Ulrich in Birkmannsweiler wird am Ort einer älteren Kapelle gebaut. --- Im Wald bei Breuningsweiler kommt es zu einem Waldbrand.

1852

1.8.: Robert Mayer wird in Winnenthal aufgenommen (bis 1.9.1853, Diagnose: Tollheit). --- Winnenden hat 3505 Einwohner. --- Das „Kinderschüle“ zieht in die Schlossstraße 19. --- 23.11.: Im Gasthof zum Hirsch in der Marktstraße brennt es.

1853

Dr. Albert Zeller wird Ehrenbürger Winnendens. --- Immanuel Enslin wird Vorstand der Feuerschau und der Steiger-Löschmannschaft.

1854

Schloss Winnenthal erhält eine Hauswasserleitung. --- Im Haus Nr. 55 am Hasenbrunnen in Hertmannsweiler wohnt Moses Levi, der „israelitischer Religion“ ist. --- Der Sturmläuter Jacob Weber übernimmt das Feueralarmtrommeln in Winnenden.

1855

Bei Hägele und Sohn brennt es.

1856

Aus Gründen der Kostenersparnis werden die Lateinschule und die Realschule zusammengelegt. --- Im Volks- und Anzeigenblatt wird für eine Zugverbindung nach Nürnberg mit Halt in Winnenden geworben. --- Martin Mörike übernimmt die Apotheke am Marktplatz.

1859

Am Wasserbecken von Schloss Winnental, dem Rest eines Weihers auf dem Schlossgelände (am Ort der Station B), wird ein Badehaus errichtet. --- Karl Steinbuch ist Kommandant der Feuerwehr.

1860

16.3.: Johann Friedrich Fischer wird Landjäger in Winnenden (bis 16.2.1876). --- Honoratioren um August Binz gründen den Männerturnverein nach einigen Jahren der Stagnation neu.

1861

Die Heilanstalt erwirbt Äcker außerhalb des Schlossgeländes für landwirtschaftliche Betätigung. --- Winnenden hat 3037 Einwohner. --- Ludwig Enslin ist Feuewehrkommandant.

1862

Auf Betreiben des Kronenwirts Krauß und des Oberamtstierarzts Seybold wird im Stallungsgebäude der „Krone“ eine Beschälplatte eingerichtet. --- Otto Leuze übernimmt die Apotheke am Marktplatz. --- 21.6.: Die beiden Winnender Turnvereine schließen sich zur Turngemeinde Winnenden zusammen.

1863

18.10.: In Winnenden wird bei einer Feier der Völkeraschlacht bei Leipzig gedacht. --- Unter Beteiligung Winnender Bürger wird der Bezirksgewerbeverein Waiblingen gegründet. --- 1.3.: Die Feuerlöschgeräte der Stadt werden an die Feuerwehr übergeben.

1864

Ein Hilfsverein um den Winnender Bürger August Binz sammelt für die Unterstützung der norddeutschen Truppen gegen Dänemark.

1865

Höfen kommt zum Kirchspiel Birkmannsweiler. --- Die Winnender Gewerbebank wird gegründet. --- Dr. Christian Wunderlich wird Ehrenbürger. --- Die Feuerlöschgeräte werden im Ökonomiegebäude der Wirtschaft „Zum Rößle“ aufbewahrt (Mühltorstr. 3). --- 13.11.: Wilhelm Cleß wird Kommandant der Feuerwehr. --- Franz Schmid übernimmt die Turmapotheke.

1866

Winnender Bürger nehmen als Württemberger auf der Seite Österreichs im Krieg gegen Preußen teil.

1868

20.1.: Die Heilanstalt führt Nachtwachen im Pflegebereich ein. --- Julius Finck gründet sein privates Bankunternehmen. --- Der spätere württembergische Oberamtmann und Landrat Friedrich Rippmann wird in Winnenden geboren. --- Nach der Auflösung des Gesangvereins „Konkordia“ wird der Männergesangverein „Liedertafel“ gegründet.

1869

Der Gewerbeverein Winnenden entsteht.

1870

12.7.: In der oberen Marktstraße beim Gasthof „Adler“ fallen neun Gebäude bei einem Brand dem Feuer zum Opfer. --- 19.7.: Nach der Kriegserklärung gegen Frankreich bereitet sich auch Winnenden vor. Auch Winnender Bürger werden eingezogen. Zentrum der bürgerschaftlichen Unterstützung für das Heer ist die Gaststätte „Hirsch“ in der unteren Marktstraße.