Winnendens Literatur in Mittelalter, Früher Neuzeit und Barock

Mittelalter. Mit der Höhenburg Bürg und der ins 9. Jahrhundert zurückreichenden Schlosskirche verfügt Winnenden über zwei Bauwerke aus dem Mittelalter, die allerdings vielfach umgebaut wurden; mittelalterliche Fundamente darf man für die Schlosskirche, den Torturm, den Diebsturm und Teile der Stadtmauer annehmen. Aus den bescheidenen Anfängen der 1181 erstmals bezeugten Siedlung wurde mit der Verleihung der Marktrechte 1212 zur Stadt. 1291 ist der Deutsche Orden in Winnenden nachgewiesen - auf ihn gehen die Anfänge des Schlosses Winnental zurück. Winnenden ist im Hoch- und Spätmittelalter ein bescheidener Flecken; allerdings sind die Dokumente aus dieser Zeit spärlich. Immerhin ist Winnenden durch Gottfried von Neifens Windenlied in die Welt der Minnelyrik einbezogen. Mit Stephan Fridolin bringt Winnenden einen bedeutenden Fanziskanerprediger hervor, der nach Nürnberg abwandert sich um 1460 im Umfeld Konrad Tuchels mit dem Schatzbehalter einen Namen macht.

Reformation. Nach mühevollen Anfängen wird Winnenden, seit 1486 bei Württemberg, von der Reformation erfasst. 1537 soll mit Arsatius Seehofer der erste evangelische Pfarrer in Winnenden gewirkt haben, 1542 ist der erste Schulmeister nachgewiesen. Der Protestantismus führt zu einer Aufwertung von Wort und Schrift. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bringt Winnenden eine ganze Reihe humanistisch gebildeter Theologen hervor: Polykarp Lyser, Johann Georg Sigwart, Ägidius Hunnius und Erasmus Grüninger. Eine Generation jünger sind der Historiker Jakob Frischlin und der Stadtchronist von 1605, David Pistorius. Mit der Pest von 1607 und dem 1618 einsetzenden Dreißigjährigen Krieg geht die Frühe Neuzeit zu Ende. 

Barock. Barocke Architektur ist in Winnenden in wenigen Beispielen erhalten - dazu gehören Teile des Schlosses und die Häuser des Winnender Baumeisters Groß in der Marktstraße, aber auch der Turm der Stadtkirche und der Fachwerkaufbau des Schwaikheimer Torturms. Literarische Zeugnisse des Barock aus Winnenden sind selten. Das 1733 entstandene spätbarocke Epitaph für den Winnender Mops mit seinem Alexandrinergedicht gehört dazu, aber auch die Orientalische Reyß von Hans Jakob von Breuning. Auch Albrecht Bengels Werke sind im Wesentlichen noch im Geist barocker Welterfahrung verwurzelt.