Schwäbische Sagen

Schwäbische Mythologie

Alltenrieth

Erdweible. Weißgekleidete Frauen, die im Wasserfall des Märzenbach gewohnt haben sollen und allerlei Arbeiten verrichtet haben sollen, aber nicht angesprochen werden dürfen.

 

Meier 1852, Nr. 9

Altensteig

Edelmannswald. In den Gemäuern eines alten Schlosses im Wald zwischen Berneck und Altensteig soll ein weißes Fräulein umgehen, dessen Erlösung durch ein Mädchen misslungen ist.

 

Meier 1852, Nr. 19

Balingen

Männle mit dem Stock. Dieses Männle soll einem Reisenden zwischen Weilheim und Balingen erschienen sein; es verschwand erst wieder, als der Hund des Mannes es anbellte.

 

Meier 1852, Nr. 92

Berkheim

Erdwichtele. In Berkheim treten die aus dem Tübinger Raum bekannten Erdwichtele als Bäckereigehilfen auf, bis sie der Bäcker "beschreit".

 

Meier 1852, 64, 6

Beuren

Sibyllenkappel. Die Sibyllenkappel ist ein von der Steuer befreiter Platz bei Beuren, wo die Sibylle vom Sibyllenloch bei Teck mit ihrem Luftwagen halt gemacht hat.

 

Meier 1852, Nr. 15.6

Bühl

Niesendes Waldmännle. Männchen, das am Weg nach Dußlingen dreimal niest, beim dritten Niesen jedoch von vorbeiziehenden Bauern zum Teufel gewünscht wird. Es wird deshalb erst von dem erlöst, der in einer Wiege gelegen hat, die aus den Brettern einer Eiche gefertigt ist, die aus einer herabfallenden Eichel erst noch wachsen muss.

 

Meier 1852, Nr. 98

Bühlertann

Kuonzel, Huonzel (Konrad). Geist, der im Hirtengarten von Bühlertann spukt und einem naseweisen Burschen, der unter seinem Namen kartenspielende Kameraden neckt, die Haut über den Kopf zieht und sie auf dem Dach eines Gartenhauses ausspannt.

 

Meier 1852, Nr. 98

Calw

Erdmännle. In einem Haus in Calw werden zwei Erdgeister dabei überrascht, wie sie nachts gespaltenes Holz aufschichten.

 

Meier 1852, 72

Derendingen

Schlange in der Steinlach. Ein Bauer entwendet einer in der Steinlach badenden Schlange ihre Krone und wird unermesslich reich.

 

Meier 1852, VI, 232

Derendingen

Schlange und Magd. Eine Schlange wird von einer Magd mit Milch gespeist und trägt am Hochzeitstag eine goldene Krone.

 

Meier 1852, VI, 229

Dornhan

Erdmännle. Aus Dornhan im Schwarzwald wird von alleswissenden Erdgeistern berichtet, die Brot backen, fegen, aber nicht angesprochen werden dürfen. In einem Fall wird eine Hebamme mit Stroh belohnt, das sich danach in lauteres Gold verwandelt.

 

Meier 1852, 69, 1-2

Ebhausen

Erdmännle. Von weißen Erdmännle wird berichtet, dass sie in Ebhausen für die Menschen gearbeitet hätten (Backen, Füttern des Viehs).

 

Meier 1852, 70

Ehlenbogen

Hafersäer. Geist, der im zu Alpirsbach gehörenden Ehlenbogen ein Haus heimgesucht haben soll. Der Hafersäer habe Hafer gegen die Wände geworfen, die Knechte und das Vieh gequält, aber den Frauen nie zu nahe gekommen sein.

 

Meier 1852, Nr. 96

Endersbach

Nebelgestalt am Brückle. Zwei junge Burschen treffen beim nächtlichen Passieren des Endersbacher Brückles zwischen Endersbach und Rommelshausen auf eine umnebelte Gestalt. Die Pferde scheuen, die Hunde knurren - schließlich löst sich die unheimliche Erscheinung auf.

 

Früh 1997, S. 123

Esslingen

Postmichel. Der Esslinger Kaufherr Amandus Marchtaler wird von seinem Neffen ermordet. Beschuldigt und nach einem auf der Folter erzwungenen Geständnis hingerichtet wird aber der Esslinger Postbote Michel Barnhard. Er hatte den Ring des Toten an sich genommen. Auf einem Schimmel zum Richtplatz reitend verflucht er den Täter, so dass dieser alljärlich am Michaelistag das Posthorn hört und zuletzt seine Schuld eingesteht und sein Gut den Armen spendet.Aus dem Erlös werden jedem Wanderer acht Pfennig als Wehgzehrung zuteil. Auf dem Mahnkreuz steht: "Wanderer, steh still / Merke, daß um Heilands Will / Zu Stuttgarten im nahen Tal / Acht Pfennig werd dir an der Zahl."

 

Württ. Ev. LUV 1905

Eybach

Unterirdisches Fräulein. Ein Knabe wird von zwei Spielkameraden genötigt, sich in eine Höhle auf einer Anhöhe bei Eybach hineinzulassen. Von Erdfräulein wird er reich beschenkt. Einer der älteren Buben, ein "Geizhals", der es ihm nachtun will, kommt dagegen nie wieder zum Vorschein.

 

Meier 1852, Nr. 12

Faurndau

Erdwichtele. In Faurndau bei Göppingen lässt man vom Fasnachtsgebäck etwas für die Erdwichtele, hilfreiche Erdgeister, übrig.

 

Meier 1852, 64, 8

Fellbach

Geistererscheinung. Zwei junge Burschen fahren mit ihren Rädern von Fellbach nach Rommelshausen; an der alten Straße "haben sich viele aufgehängt" - ihnen erscheint ein "kleines Männle am Straßenrand". Ein Knall wirft sie von den Rädern, die bis zum Adler in Rommelshausen geschoben werden müssen.

 

Früh 1997, S. 120

Frickenhausen

Ursprung Frickenhausens. Frickenhausen soll nach seinem Gründer Frick so heißen. Auf der Frickenhäuser Kirche soll der erste Storch der Gegend genistet haben, weshalb die Frickenhäuser als "Störche" bezeichnet werden.

 

Meier 1852, Nr. 14

Frickenhausen

Nonnen. Am Kaibrunnen in Frickenhausen sollen häufig, besonders am weißen Sonntag, singende weiße Fräulein ("Nonnen") aufgetreten sein, die vor menschlicher Annäherung jedoch in den Wald geflohen seien.

 

Meier 1852, Nr. 13

Geislingen

Erdmännle. In einem Wald bei Balingen wird eine Hebamme gerufen, um Erdgeistern Geburtshilfe zu leisten. Sie wird mit Kohlen belohnt, die sich zu Gold verwandeln.

 

Meier 1852, 67

Gießen bei Tettnang

Weiße Frau. Den Ackerknechten soll bei Gießen eine weißgekleidete Frau Essen gebracht haben. Als man ihr einen silbernen Löffel steieht, erscheint sie nicgt wieder.

 

Meier 1852, Nr. 16

Grötzingen, Hummelskling

Geisterbanner. Der Schinder von Grötzingen, ein namhafter Geisterbanner, fährt mit dem Zwilchsack, in dem er die Geister gefangen hält, zur Hummelskling und bannt sie dort teils in Bannbereiche, teils unter Felsbrocken. Dort gehe ein gespenstischer Geiger mit Augen so groß wie Garnknäuel um, der in warmen Sommernächten in der Kling aufspiele.

Württ. VB 1868

Hammetweiler (Mittelstadt)

Meerfräulein. Kindsgroße Frauen in weißen Gewändern, die im Neckar baden und nachts ohne Entgelt Brotteig kneten. Am Hammetweiler Schloss sollen sie betend gesehen worden sein. Versuche, sie zu fangen, scheitern - erlöst werden sie von zwei Männern in einem Wagen.

 

Meier 1852, Nr. 9

Hasel

Erdleute. In einer Tropfsteinhöhle bei Hasel leben Erdgeister. Als ein listiger Anwohner bemerkt, dass sie Gänsefüße haben, lassen sie sich nie mehr wieder sehen.

 

Meier 1852, 76, 2

Heiningen, Kreuzweg

Böser Geist vom Heininger Kreuzweg. Ein Hohnweilermer wird nach dem Besuch in Höfen bei Winnenden, er ist in der Abenddämmerung aufgebrochen, am Heininger Kreuzweg von einer unheimlichen schwarzen Gestalt kreuz und quer über die Felder gejagt, bis er erschöpft niedersinkt. Er ist schließlich in Heiningen angekommen.

 

Otto Lang

Heubach

Sechserscheißerle. Geldmännchen, das einem Bewohner Heubachs Geld zugetragen haben soll.

 

Meier 1852, Nr. 93

Hirsau

Erdmännle. In der Nähe der Bruderhöhle unweit des Klosters Hirsau habe ein Arbeiter mit einem Pärchen von Erdgeistern sein Essen geteilt.

 

Meier 1852, 72

Hohenstaufen

Erdwichtele. In Hohenstaufen belohnt man die Erdwichtele, hilfreiche Erdgeister, für ihre Nachtarbeit mit Essen.

 

Meier 1852, 64, 7

Kiebingen, Rohrhalde

Schlangenbeschwörer. Ein Schlangenbeschwörer verbrennt die in der Rohrhalde häufigen armdicken, aber nicht giftigen Ottern.

Meier 1852, VI, 236

Laufen

Erdmännle. Einem Müller in Laufen nimmt ein Erdmännle die Arbeit ab, bis ihm der Müller ein Obergewand (Häs) schenkt.

 

Meier 1852, 74

Lustnau

Erdwichtele. Erdgeister und Erntehelfer in Lustnau bei Tübingen, etwa eine halbe Elle lang, mit gelben Hosen und roten Strümpfen bekleidet. Sie werden gelegentlich beim Mähen beobachtet, auch als "Vorsitzende" beim Spinnen tauchen sie auf und können mit der Nennung ihres Namens vertrieben werden. In Kirchentellinsfurt beheimatet man die Erdwichtele im Urschelberg, in Neuffen in der Ruine der Burg Hohen-Neuffen.

 

Meier 1852, II, 64, 1-5

Marbach, Schillerhaus

Mönch von Marbach. Gegenüber vom Schillerschen Haus in Marbach soll ein Mönch umgegangen sein, der schwarz gewandet und mit einer schwarzen Zipfelmütze ausgestattet gewesen sei. Er sei wiederholt im Wohnraum erschienen, meist geschwiegen, grundsätzlich aber verlangt, dass die Bewohnerin des Hauses um zehn zurückkomme, andernfalls habe er die Tür versperrt. Lügen habe er verabscheut, das Beten dagegen geschätzt. Einem Knabe entgeht ein Schatz, weil er furchtsam davonläuft anstelle auf Geheiß des Mönchs im Keller einen Kübel zu holen.

 

Birlinger 1861

Mittelstadt

Edelfrau von der Neckarbrücke. Weiße Frau, die ihre Wäsche im Neckarzufluss Märzenbach wäscht und wie die Urschel aus Pfullingen von einem zu zaghaften Knecht nicht erlöst werden kann.

 

Meier 1852. Nr. 10

Mittelstadt

Erdmännle. In Mittelstadt am Necker soll ein Erdgeist ohne Lohn einem Bäcker beim Backen geholfen haben.

 

Meier 1852, 66

Murrhardt

Murrhardter Leichenzug. Auf einer Landstraße bei Murrhardt erblicken zwei Männer einen langen Leichenzug. Die Pferde scheuen. Die schwarzgekleideten Trauergäste sind sämtlich kopflos.

 

Otto Lang

Nagold

Weiße Frau ohne Kopf. Eine weiße Frau mit einem Schlüsselbund aber ohne Kopf soll einem Mädchen erschienen sein, die aufgrund eines Traums die Schloßruine bei Nagold aufgesucht habe.

 

Meier 1852, Nr. 27

Nagold

Zwergle. In Nagold sind kleine Leute bekannt, die teils hilfreich, teils als Quälgeister mit den Menschen zusammenleben.

 

Meier 1852, 70

Neckartenzlingen

Hardtmändle. Kleines Männchen mit rundem Hut und grünem Rock, das im Hardt zwischen Mittelstadt und Neckartenzlingen die Passanten erschreckt; zuweilen erscheine es auch in durchsichtig leuchtender Gestalt.

 

Meier 1852, Nr. 99

Neubulach

Erdmännle. Vom Lammwirt Friederle in Neubulach wird berichtet, dass er nackte, schwarze Berggeister, die für ihn Brot buken, mit Kleidern ausgezahlt hätte - daraufhin seien sie verschwunden.

 

Meier 1852, 71

Neubulach

Weiße Fräulein. Weiße Fräulein, die in einem Haus in der Nähe des Pfarrhauses von Neubulach, gebaut auf den Trümmern einer Burg, regelmäßig alle sieben Jahre im Advent umgehen.

 

Meier 1852, Nr. 17

Niedernau

Schlange in Niedernau. Im alten Schloss bei Niedernau haust eine gekrönte Schlange.

 

Meier 1852, VI, 235

Oberlengenhardt

Erdleute. Aus Oberlengenhardt wird von pflügenden Erdgeistern berichtet, die einem Bauern das Tagwerk abnehmen.

 

Meier 1852, 73

Owen

Ledernes Männle. Kleiner Mann, der im Tiefenbacher Wald das Echo erzeugt. Angeblich stammen er und seinesgleichen aus dem Orient.

 

Meier 1852, II, 63

Pfullingen

Nachtfräulein. Bewohnerin eines Felslochs auf dem Hörnle bei Pfullingen , einem Vorhügel des Urschelbergs, der man Steine ins Loch wirft. Ist das Loch aufgefüllt, soll Pfullingen "die glücklichste Stadt des Landes" werden.

 

Meier 1852, Nr. 2

Pfullingen

Versunkenes Schloß. Ein versunkenes Schloß habe "170 Schritt" unterhalb des Hämmerles gelegen. Eine Reutlingerin trifft dort eine Geistergesellschaft beim Mahl an, einen Pfullinger führt ein weißes Fräulein zurück zu seinem Haus, weil er Verwirrtheit vorschützt. Eine Pfullinger Hebamme sei zu einer Entbindung in eben jenes Schloss gerufen worden und habe dort drei Strohhalme verdient, die sich am nächsten Tag in Gold verwandelt hätten.

 

Meier 1852, Nr. 3 u. 8

Pfullingen

Nachtfräulein. Kleine weiße Fräulein, die in einem Haus der Häuserreihe Wiel des Winters gesponnen haben sollen. Sie seien über den Katzenbohl und die Weinberge vom Urschelberg gekommen. Solche Fräulein sollen überdies während einer Kornteuerung als Spenderinnen von Korn an einen Provisor Hans Warte aufgetreten sein. Die Nachtfräulein, vermutlich den germanischen Nornen nachgebildet, verschwinden in der Regel, wenn ihr Spinnfaden zerreißt (3) oder am Sonntag geerntet wird (Nr. 5, Abs. 4). Zuweilen treten die Bergfräulein oder Nachtfräulein auch als Begleiterinnen der alten Urschel auf (Nr. 6).

 

Meier 1852, Nr. 5

Pfullingen

Alte Urschel. Verwünschte Frau, die am Remselesstein bei den Frauenhalder Weinbergen in einem Felsloch haust. Die Pfullinger Kinder opfern ihr Lochsteine (Remsele), die sie von einem anderen Felsen, dem Hämmerle, in die Tiefe rollen lassen; einen mit Laub beladenen Ochsenkarren habe sie einmal umgeworfen. Sie trage "bald weiße, bald schwarze Kleider nebst weißen Zeugschuhen und rothen Strümpfen", gelegentlich erscheint sie als Fuchs oder Frau mit Geißfüßen. Einem Bauern namens Michael Weiß soll sie eröffnet haben, Prisca zu heißen. Der umständliche Versuch, sie zu erlösen, scheitert jedoch: der Bauer hätte sie, zur Hälfte Schlange, erst küssen müssen, dann einem schwarzen Höllenpudel widerstehen und einen Mühlstein über dem Kopf aushalten müssen. Da ihn seine Eltern nicht begleiten dürfen, verweigert er den Dienst und stirbt zu einer von Urschel-Prisca angesagten Stunde. In einer anderen Episode (Nr. 7) tritt Urschel als Kornleiherin auf und kann das Geliehene nicht zurücknehmen, weil es am Sonntag geerntet wurde.

 

Meier 1852, Nr. 1 und Nr. 4

Rötenberg

Erdmännle. In Rötenberg bei Alpirsbach versehen Erdmännle gegen Lohn Stall und Küche.

 

Meier 1852, 68

Rottenburg

Erdleute. In Rottenburg soll ein ganzes Heer von Erdgeistern mit durchaus menschlichen Gesichtern beim Flug durch die Lüfte beobachtet worden sein.

 

Meier 1852, 75

Rottenburg (Neckar)

Schlange und Kind. Eine Mutter beobachtet, wie ihr Kind regelmäßig eine Schlange als Speisegast annimmt.

 

Meier 1852, VI, 228, 3

Sankt Wilhelm

Erdleute. Ein Pärchen hilfreicher Erdleute wird von einem undankbaren Bauern aus ihrer Höhle vertrieben.

 

Meier 1852, 76, 1

Schlatt

Rotmäntele. In der Halde, einem Berg oberhalb von Schlatt, sollen Erdgeister gehaust haben, die mit Vorliebe den Spinnerinnen zugesehen haben. Ihr Kennvers lautet: "Daß dees mein Schatz nit weiß, / Daß i San-Nefle heiß!".

 

Meier 1852, 65

Schlier (Ravensburg)

Brückengeist. Geist, dem jeder, der seinen Steg benutzt, Brot als Beschwichtigungsgabe reichen muss.

 

Meier 1852, Nr. 94

Schramberg

Täufermännle. Bewohner des Täuferbachles zwischen Schramberg und Lackendorf, das von einem Bauern als Wegzoll Wecken forderte.

 

Meier 1852, Nr. 94

Schwandorf (Nagold)

Schlange und Kind. Eine Mutter beobachtet, wie ihr Kind regelmäßig eine Schlange als Speisegast annimmt.

 

Meier 1852, VI, 228, 1

Sigmaringen

Weiße Fräulein. Drei weiße Fräulein, die beim Metzger in Sigmaringen Fleisch kaufen, haben Gänsefüße - das wird entdeckt, und so kehren sie nie wieder nach Sigmaringen zurück.

 

Meier 1852, 77

Stuttgart , Neckarbrücke

Schlange und Seiler. Ein Seiler erschlägt die Schlange, die mit seinem Kind speist, versetzt deren Krone und wird unermesslich reich.

 

Meier 1852, VI, 231

Teck

Sibylle. Weissagende Frau, die in einer Höhle auf Teck lebt, die als Sibyllenloch bekannt war. Sie sagt den Weltuntergang voraus, sobald "die zwölf Sibyllen" wiederkämen und einen Krieg am Rhein, in dem auch die Türken gegen die Deutschen fechten: "Zu Köln am Rhein / Soll des Türken sein Untergang sein." Sie habe drei Söhne gehabt, deren einer auf dem Wielandstein blieb, der andere auf dem Teckberg und der dritte auf dem Diepoldstein gebaut habe. Über die Feindschaft ihrer Söhne erbittert, soll sie schließlich mit dem Wagen das Land verlassen haben. Die Wagenspur sei aber vom Sibyllenloch bis zum Reigelwald als Verfärbung der Vegetation zu erkennen. Im Sibyllenloch habe ein Schatz in einem Koffer gelegen. Auf der Teck sollen auch Hexen und ein Schimmelreiter mit dem Kopf unter dem Arm gesehen worden sein. Unterirdische Gänge verbinden die Teck mit Gutenberg und der Stadtpfarrei von Auen.

 

Meier 1852, Nr. 15

Tettnang

Geremännle. Bewohner des Geremännleslochs am Fuß des Gerenbergs, der einen von einer Kröte bewachten Schatz besitzt oder diesen Schatz selbst bewacht und demjenigen schenkt, der es erlöst.

 

Meier 1852, Nr. 95

Tübingen

Geldmännle. Das Geldmännle brachte einigen Tübinger Bürgern Gold nach Verlangen; es sei aber der Teufel gewesen

 

Meier 1852, Nr. 93

Tübingen, Spitzberg

Schlange auf dem Spitzberg. Eine gekrönte und mit einem Schlüssel versehene Schlange badet im Neckar. Sie haust auf Burg Ödenau.

 

Meier 1852, VI, 234

Walddorf

Hochzeiterinnen. Weißgekleidete Frauen mit einem Kranz im Haar, die des Nachts Hausarbeit für die Walddorfer erledigen. Diese weißen Fräulein sollen allein oder zu zweit aufgetreten sein und im Heuchelberg gewohnt haben.

 

Meier 1852, Nr. 9 u. 11

Weiler zum Stein, Lerchengraben

Männle am Lerchengraben. Beim Pflügen am Lerchengraben erblickt ein Knecht ein graues Männlein mit glühenden Augen. Erst als auch die Pferde innehalten, flieht der Pflüger. Es soll sich um einen Weilermer Bürger gehandelt haben, der seine Ruchlosigkeit als Grenzsteinversetzer als Wiedergänger büßt.

 

VuAB 1952

Weiler zum Stein, Siehdichfür

Geisterreiter vom Siehdichfür. Am Siehdichfür, dem Weg zum Stiftsgrundhof, soll wiederholt ein Reiter gesehen worden sein, dessen Mähre glühend hervorstehende Augen gehabt habe. Der Reiter habe seinen Kopf unter dem Arm getragen.

 

VuAB 1952

Wildberg

Schlangenfürst und Krone. Ein Bauer entwendet einem badenden Schlangenfürsten dessen Krone und wird unermesslich reich.

 

Meier 1852, VI, 233

Winnenden

Winnender Mops. Mops eines Adligen, der ihm von Belgrad aus dem Türkenkrieg bis nach Winnenden nachgelaufen und dann verendet sei.

 

lokale Überlieferung

Wolfschlugen

Geister auf dem Rathaus. Beim Feuermachen erblickt die alte Schütz im Rathaussaal den verstorbenen Schultheißen im Kreis ebenfalls längst verschiedener Gemeinderäte. Der Schinder von Grötzingen bannt die Geister in die Hummelsklinge, wird aber zuletzt samt seines leeren Zwilchsacks dort tot aufgefunden.

 

Heimatblätter vom oberen Neckar


Vorige Seite: Grammatik
Nächste Seite: Dialektologie