Schwaben

Schwäbisch - eine Einführung

In Schottland hat es im Ausgang des vorletzten Jahrhunderts eine schottische Renaissance gegeben. Irlands Renaissance kam in den ersten Jahrzehnten mit Yeats und Joyce. Eine schwäbische Renaissance hat es nie gegeben. Weshalb?

Die Dialekte haben in Deutschland ein weniger bedeutendes Gewicht als die gleichfalls romanischen Regionalsprachen in Spanien (das Katalanische, das Galizische), sie sind weniger geachtet als die romanischen Verwandten des Französischen (das Okzitanische) und des Italienischen. Unter den Dialekten des Deutschen schließlich, deren Grad an Offizialität das Schweizerdeutsche anführt, ist das Schwäbische ein Paria. Weshalb?

Die Gründe sind vielfältig, reichen möglicherweise zurück bis in die Zeit der Befreiungskriege, als Württemberg zunächst fest an der Seite Napoleons stand. Eine unrühmliche Kette karikierter Schwaben durchzieht die letzten beiden Jahrhunderte, und noch immer wieder findet man unter den Fernsehtrotteln der Nation bedeutsam viele Schwaben. Den Polen und den Schweizern gilt jedes Wort, wenn sie über die Deutschen schimpfen - den Schwaben!

Noch immer scheint es schwierig, die Technologieschmieden zwischen Franken, Baden, Bayern, der Schweiz und Österreich mit der Kultur dieses Landes zu verbinden. Dies ist ein Versuch, Reigschmeckten aus Nah und Fern schwäbische Mund- und Lebensart als liebens- und achtenswert vorzustellen.

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Wie viele andere Dialektseiten ist dieses Projekt ein Ergebnis meiner Mußestunden. Mit dem Schwäbischen verdiene ich zwar kein Geld, es kostet mich allerdings auch nichts - und das ist für einen Schwaben sicher wichtiger. Ehrenamtliche Ad-hoc-Landeskunde habe ich während der Studienzeit durchaus gelegentlich betrieben. Wie viele Angehörige der ersten PC-Generation habe ich nur in der Kindheit eine vorrangig schwäbische Sprachumgebung genossen. Wie viele andere Sprecher kann ich auf eine nur zum Teil rein schwäbische Familiengeschichte zurückblicken, bin früh mit anderen Mundarten in Berührung gekommen. In der Grundschule, stärker noch im Gymnasium ist das Schwäbische teils geduldet, teils geächtet und verschiedentlich hartnäckig bekämpft worden. Ich erinnere mich noch gerne eines vortrefflichen Deutschlehrers, der sich ganz dem satirischen Kampf gegen schwäbische Sprachzüge widmete: nicht immer mit dem gewünschten Erfolg, wie man hier sieht. Die Hochschule, besetzt mit überwiegend nord- und westdeutschem Personal, verdrängte das Schwäbische so sehr, dass das es zu einer Sprache wurde, die ich nur schamhaft und nur im engsten Familienkreis sprach. Die Arbeit mit ausländischen Studierenden hat diesen Vorgang des Verdrängens umgekehrt: das Fremde begeisterte zur Erforschung des Vertrauten.

Im Mosaik sehr schöner Schwäbisch-Seiten ist dies sicher nicht mehr als ein bescheidener Bachkiesel, ich hoffe aber, auch jüngeren Schwaben die wissenschaftliche Erforschung des Dialekts und der eigenen Kultur schmackhaft zu machen. Immer wieder habe ich engagierte Menschen getroffen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Schwäbische im Zeitalter weltweiter Verfügbarkeit wieder in die Mitte des Lebens zu führen. Ein Kommilitone, an den ich mich lebhaft und mit besonderer Freude erinnere, Tobias Torwarth, hat gar ein schwäbisches Sprachmodul für Audi entwickelt. Das kulturwissenschaftliche Nachdenken über die eigene Verfassung bietet immer auch die Gelegenheit, andere Kulturen besser zu verstehen: der Mundartsprecher sollte kein verbockter oder verhockter Dorftrottel sein, er ist - im besten aller Fälle! - ein Weltbürger. Ein solcher Schwabe, der wie Diogenes seine Heimat nicht zu verlassen brächte und doch in aller Welt zuhause wäre, der scheint mir ein achtbarer Zeitgenosse. Aus Konstanz hört man dieser Tage, dass Prof. Geier an einer wahrhaft umfassenden Darstellung schwäbischen Literaturschaffens arbeitet. Die Wissenschaftlichkeit eines habilitierten Akademikers werde ich vorerst wohl kaum erreichen, wenn diese Seite aber bei Schwaben und Wahlschwaben Anklang findet und Neugier weckt, dann ist ein wichtiges Ziel erreicht.

Geplante Projekte

  • Mythologischer Atlas des schwäbischen Sprachraums. Geplant ist ein Atlas schwäbischer Lokalsagen, gestützt auf verschiedene heimatgeschichtliche Arbeiten des 19. Jahrhunderts.

  • Der Schwabe und das Schwäbische in der Literatur. Geplant ist, die Eigen-, Fremd- und Außenwahrnehmungen schwäbischen Kulturlebens auf vorherrschende Bilder und Einstellungen zu befragen.

  • Geschichte der schwäbischen Mundartdichtung. Geplant ist eine chronologische Darstellung der schwäbischen Literatur von Sebastian Sailer bis heute.

  • Bibliographie der Fachliteratur zum Schwäbischen im Netz. Geplant ist eine umfangreiche Datenbank linguistischer Beiträge zur Erforschung des Schwäbischen.


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