Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund

Hinweis: Die Vielfalt der Lebenslagen und Schicksale lässt es kaum zu, alle Schüler mit Migrationshintergrund über einen Kamm zu scheren. 

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Zur Situation

Schüler mit aktuellem Migrationshintergrund…

  • werden oft auf ihre vermeintliche Herkunft aus dem Ausland angesprochen
  • kommen öfter als deutschstämmige Schüler aus Familien, die von Erwerbslosigkeit oder Armut bedroht sind
  • bewohnen nicht selten teurere Wohnungen in schlechterer Lage als ihre deutschstämmigen Mitschüler
  • haben öfter Förderbedarf, insbesondere im Fach Deutsch
  • schwanken zwischen ihrer Herkunftskultur bzw. der Herkunftskultur ihrer Eltern und der sie umgebenden Kultur des Aufnahmelands, vor allem in Hinblick auf
  1. Geschlechterrollen und Sexualität
  2. die Einstellung zur Schule, zum Lehrer
  3. religiöse Normen
  4. die Familie
  • werden häufiger zum Gegenstand rassistischer oder ausländerfeindlicher Bemerkungen oder zum Ziel von Gewalt
  • werden im Hinblick auf ihre akademischen Fähigkeiten häufig unterschätzt
  • werden beim Zugang zu Bildungsressourcen oft benachteiligt
  • stehen nicht selten unter hohem Erwartungsdruck

Handlungsmöglichkeiten

Lehrer sollten…

  • Schüler unabhängig von ihrer Herkunft gleich behandeln
  • aktiv auf die Eltern zugehen
  • behutsam mit kulturellen Tabus umgehen (Schwimmunterricht, Sexualkunde…)
  • die interkulturelle Kompetenz der Klasse fördern
  • Rassismus und Diskriminierung im Unterricht thematisieren
  • die Selbstwahrnehmung des Schülers beachten (Aussprache des Namens: auch deutsche Aussprache, wenn gewünscht!)
  • Eigene Stereotype hinterfragen
  • Schüler nicht zum Experten ihres Herkunftslands machen, wenn dies der Schüler nicht ausdrücklich anbietet
  • Sprachförderung organisieren, aber nicht als reine Defizitbewältigung
  • Kontakt halten zu Lehrern in den muttersprachlichen Schulangeboten (griechische, italienische, chinesische Auslandsschulen)
  • Zweisprachigkeit nutzen, wo entsprechende Kenntnisse wirklich vorhanden sind
  • Kulturelle Vielfalt auch im Klassenzimmer sichtbar machen
  • Möglichkeiten zum Schüleraustausch anbieten, auch mittels des Internets
  • Unterrichtsgäste aus anderen Ländern oder Experten mit Migrationshintergrund einladen
  • Migration nicht einseitig darstellen – weder abwerten noch verklären, sondern als gesellschaftliche Normalität verstehen
  • Gemeinsamkeiten betonen, nicht Unterschiede
  • Unterrichtsmaterialien einsetzen, die Migrationsthemen nicht eurozentrisch behandeln sondern zahlreiche Perspektiven entwickeln
  • Heimat so definieren, dass jeder an ihr teilhaben kann, dass niemand ausgeschlossen wird
  • Mehrsprachigkeit als Chance begreifen
  • Individualität in den Vordergrund stellen, anstelle zu klassifizieren

Literatur

  • Menzel, Dirk / Wiater, Werner (Hgg.): Verhaltensauffällige Schüler. Symptome, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt, 2009 (Manschke, S. 143 ff.)
  • Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Sichtwechsel: Wege zur interkulturellen Schule. Ein Handbuch. Hannover: 2000

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